Gruppe von Mountainbikern mit Helmen und Fahrrädern steht an einem Passschild auf einer Bergstraße zwischen grünen Hängen | © DAV-FN / E. Flöth, M. Arzner, S. Haberer

Mountainbike-Tour „Trailspaß im Puschlav“ – 24. bis 27. Juli 2025

30.07.2025

Zehn gut gelaunte Bikerinnen und Biker des DAV Friedrichshafen machten sich Ende Juli mit vollgepackten Rucksäcken auf den Weg ins Puschlav. Treffpunkt war Sfazù (CH), wo nach einem kurzen Bike Check um 10:30 Uhr der Start für unsere viertägige Tour erfolgte.

Treffpunkt war Sfazù (CH), wo nach einem kurzen Bike Check um 10:30 Uhr der Start für unsere viertägige Tour erfolgte. Der Wetterbericht hatte uns immer wieder Schauer angekündigt – ob wohl die Sonnencreme im Rucksack bleibt oder die Regenjacke zum Einsatz kommt? Wir ließen uns überraschen. 
Tag 1 – Von Sfazù nach Miralago 
Wir strampelten zunächst in Richtung Forcola di Livigno. Auf den ersten Trails kamen wir bereits ordentlich ins Schwitzen, oben am Pass empfing uns ein kalter Wind. Am Grenzparkplatz Schweiz–Italien stärkten wir uns mit unserem ersten Rucksackvesper. 
Dann folgte die erste Herausforderung: eine Trail-Auffahrt und später eine Abfahrt hinunter zur Lagalb, steinig, verblockt und technisch fordernd. Anschließend führte uns der Weg entlang der legendären Bernina-Bahnstrecke bis zum Berninapass – inmitten der großartigen Schweizer Bergwelt. Im Casa Ristorante Belvedere ließen wir uns Kaffee und Kuchen schmecken und genossen bei Sonnenschein den Blick ins Tal. 

Gestärkt fuhren wir auf einem herrlichen Trail an der Alp Grüm vorbei, kreuzten immer wieder die Bahnlinie und legten einen Stopp bei den Gletschergärten von Cavaglia ein. Danach rollten wir ins malerische Städtchen Poschiavo und von dort weiter nach Miralago, wo uns das Albergo Grotto Miralago erwartete. Der Wirt sah sofort, wie hungrig wir waren, und servierte als Hauptgericht Entrecôte vom Pferd. Für die beiden Vegetarierinnen gab es ein Ragout vom Rind – ein kleiner Schmunzler am ersten Abend. 
Tag 2 – Königsetappe: Col d’Anzana 
Nach einem gemütlichen Frühstück starteten wir in die Königsetappe. Der Chef unserer Unterkunft war noch etwas verschlafen und mit der Abrechnung der fünf Zimmer leicht überfordert, doch bald saßen wir wieder auf unseren Rädern. 

Unser Ziel: der Col d’Anzana auf 2.224 m Höhe. Es heißt „Der Col d'Anzana ist unbestritten eine der Mountainbike-Touren, die ins Portfolio eines jeden Singletrail-Liebhabers gehören. Die Route startet im Puschlav und weist nach Tirano eine der längsten Abfahrten der Alpen aus.“ Schon der Anstieg verlangte uns einiges ab, doch die Vorfreude auf das Highlight des Tages ließ uns durchhalten. Kurz vor dem Col kehrten wir im Rifugio d’Anzana ein. Der Kaffee war zwar dünn, dafür bekamen wir feine Schweizer Schokolade – und ein herzliches Lächeln der Wirtsleute. 
Oben am Col bot sich uns ein faszinierendes Schauspiel: mal eröffnete sich ein phänomenaler Ausblick ins Veltlin, im Rücken ragte das Bergmassiv mit dem Piz Palü auf – und im nächsten Moment hüllte uns dichter Nebel ein. Vor uns lag nun die berühmte Trail-Abfahrt: 1.785 Tiefenmeter am Stück. 

Nach einem Rucksackvesper und kurzem Powernapping stellten wir die Bikes ein, wechselten noch schnell Bremsbeläge – und starteten dann in unser Abenteuer. Der Trail begann flowig und verspielt, schlängelte sich an der Bergflanke entlang, wechselte aber bald in eine steile, steinige Abfahrt auf einem alten Karrenweg. Direkt und kompromisslos führte er ins Tal nach Tirano. Mit glühenden Bremsscheiben rollten wir schließlich in eine Bar – Leuchtende Augen, gute Stimmung und ein stolzer Austausch über dieses Erlebnis ließen das Bier besonders gut schmecken. 
Am Abend im Hotel gab es einen üppigen Grillteller. Dieser war so reichlich, dass einige Schnitzel kurzerhand als Rucksackvesper für den nächsten Tag eingepackt wurden. 

Tag 3 – Nasses Pedalieren zur Alpe San Romerio 
Am dritten Tag weckte uns sanftes Prasseln auf dem Dach – Regen. So starteten wir in voller Regenmontur: Regenjacke, Regenhose und Überschuhe. Unsere Bikes standen in einer perfekt ausgestatteten Garage, inklusive Kompressor für den idealen Luftdruck – beste Voraussetzungen trotz Schmuddelwetter. 
Die Auffahrt nach Brusio im Regen kostete Kraft, aber im dortigen Restaurant wurden wir herzlich empfangen. Wir durften unsere nassen Klamotten trocknen und wärmten uns an einer feinen Gerstensuppe. Danach bewältigten wir unsere letzten Höhenmeter hoch zum Rifugio San Romerio auf 1.792 m. 
Die Alpe San Romerio liegt auf einer traumhaften Hangterrasse mit Blick über das ganze Puschlav. Doch die Ankunft von zehn „bätschnassen“ Bikern samt tropfender Ausrüstung brachte den Almwirt kurzfristig in Verlegenheit – wohin nur mit so vielen nassen Klamotten und Bikes? Am Abend aber waren wir versöhnt: ein köstliches Menü erwartete uns, dazu sogar eine vegetarische Alternative. 

Tag 4 – Sonniger Abschluss 
Am letzten Tag hatten wir wieder Wetter-Glück: die Regenwolken waren verschwunden, die Sonne lachte. Der Blick von der Alpe San Romerio über das Tal war atemberaubend. Wir machten Fotos von der kleinen Kirche, die direkt auf dem Felsvorsprung steht, und starteten schließlich auf einem abwechslungsreichen Trail zurück Richtung Berninapass. 
Bei unserer letzten Rast an einem großen Steintisch wurden die Rucksäcke ausgeräumt: alle Essensreste kamen zusammen – ein buntes Buffet aus Wurst, Käse, Brot und Schokolade.  
Nach insgesamt 120 Kilometern und stolzen 5.500 Höhenmetern rollten wir zurück nach Sfazu. Bei einem letzten Einkehrschwung blickten wir auf vier erlebnisreiche Tage zurück: beeindruckende Wolkenstimmungen, immer wieder Sonnenschein, nur ein Regentag, tolle Trails, köstliches Essen, viele Lacher – und zehn glückliche, unversehrte Biker, die sich zufrieden auf den Heimweg an den Bodensee machten. 
 
Text: Silvia Georgi 
Fotos: Erik Flöth, Mathias Arzner, Stefan Haberer