Seilschaft an der Ochsenscharte | © DAV-FN/Franziska Ott

Skihochtourenkurs Silvretta - Nichts für schwache Nerven

Text: Franziska Ott, Bilder: Franziska Ott, Lorenz Fischer u. Peter Schäfer

18.04.2023

Weder von einem verletzten Kursleiter, einer Absage der Hütte im Kaunertal oder einer desaströsen Wettervorhersage fürs Wochenende, ließen sich die abgebrühten Teilnehmenden des Survival Camps „Skihochtourencamps“ aus der Bahn werfen und starten somit am Freitag, 24. März in Richtung Silvretta.

Nachdem freche Kälber des Parkplatzes verwiesen und Lehrgeld für vergessenes Eisen beim Store um die Ecke bezahlt wurden, durften wir endlich und munter im Nieselregen den ca. 12 km langen Latsch zur Jamtalhütte antreten. Der Nachmittag wurde genutzt, um das Haltevermögen verschiedener Teilnehmer-T-Anker zu testen (sehr vertrauenserweckend!).

Außerdem lernten wir die Impro eines Biwak-Rettungsschlitten kennen, der bei Status-quo-Wetter, bei dem sicherlich kein Heli fliegen würde, doch zumindest einen kleinen Rettungsring darstellte.

Die Jamtalhütte erzeugte durch ihr optimiertes Schwabentum regelrechte Heimatgefühle: Je 10 Liter Marschtee wurde dem Gefühl nach ein Teebeutel zugesetzt und die Dusche animierte doch sehr vehement mit Verbrühungstechniken selbst den größten Warmduscher die Duschzeit von 3 Minuten doch bitte einzuhalten. Zumindest konnte die eineinhalb Stunden Wartezeit auf das Abendessen prima für Austausch und Tourenplanung genutzt werden.

Abgesehen von einigen nächtlichen Schreien reihte sich der Kurs am nächsten Morgen in nie dagewesener Frische hinter etwa 100 weiteren abgehärteten Menschen ein. Hier entstand ein echtes Everest-Feeling. Nachdem der Gletscher leider nicht aufzufinden und das Wetter doch mild als berstig bezeichnet werden kann, genoss der Kurs immerhin einige doch nicht unerfreuliche Powderschwünge im fluffigen Neuschnee. Kritische Fragen der Tourenleiter zu Gelände und Vorgehen konnten in der Regel zur Zufriedenheit beantwortet werden.

Der Nachmittag wurde für einige Spaltenbergungsübungen in Schnee und Kursraum genutzt. Auch am letzten Tag ließ sich der Skihochtourenkurs nicht etwa von Starkwind oder Whiteout die Laune verderben. Kursinhalte umfassten den Hang-Salto, die Pinguin-Technik sowie die Blindflug-Navigation. Die letzte Hürde stellte der doch nicht unwesentlich lange Rückweg nach Ischgl dar. Aber auch hier ließen sich tapfere Splitboardfahrer nicht unterkriegen und setzten variable Techniken wie „Stöckeln“ oder „Krabbeln“ versiert zur Fortbewegung ein.

Zum Glück gibt es in Ischgl einen Tellerlift, der einen leicht bergab ein Stück ziehen kann. Zudem muss man einmal im Leben die 16:30 Uhr Abfahrt in Ischgl durch den Slush-Schnee gemacht haben, der die Teilnehmenden als letzte Lehreinheit noch mit der doch größten Gefahr konfrontierte: Müde Breitensportler. Alle Strapazen überwunden konnten ausgekugelte Schultern und entkräftete Skibergsteiger erfolgreich mit Jägertee in Kuhstall und co. therapiert werden.

Diashow:

(Bilder mit der Maus/Hand wischen oder Punkte unter dem Bild anklicken. )