Bayerle Bild 3 | © DAV-FN / R. Zahner

Die Berge dürfen nicht zum Funpark werden

11.06.2026

Am 21. Mai war der renommierte Filmemacher und Journalist Georg Bayerle zu einem Vortrag bei uns in Friedrichshafen im Kulturhaus Caserne. Bekannt geworden ist Bayerle durch Formate des Bayerischen Rundfunks wie Bergauf-Bergab und Rucksackradio.

Zu uns nach Friedrichshafen kam er, um sein Buch Der Alpen-Appell – eine leidenschaftliche Forderung nach mehr Schutz, Vernunft und Zukunft in unseren Bergen – vorzustellen und mit uns zu diskutieren.

Trotz Bilderbuchwetters kamen mehr als 60 Zuhörerinnen und Zuhörer, um sich schöne, aber auch erschreckende Bilder aus den Alpen anzuschauen. Ob der Bergsturz von Blatten, der passierte, als Bayerle gerade ganz in der Nähe drehte, oder die neuen Tourismuspläne im Kaunertal: Im Vortrag nimmt Georg Bayerle die gegenwärtige Apokalypse der Alpen ins Visier – Übernutzung, den menschengemachten Klimawandel und die daraus resultierenden Naturgefahren – und er zeigt, warum „höher, schneller, weiter“ keine Lösung ist, sondern die vielfältigen Probleme verstärkt.

Dabei analysiert er den Zustand fragiler Ökosysteme und hinterfragt die auf Gewinnmaximierung basierende Alpenökonomie. Anhand eindrücklicher Bilder und anschaulicher Beispiele zeigt er, dass auf lokaler Ebene Lösungen gefunden wurden, die wirtschaftlich vertretbar sind und auch den Anforderungen an die Klimaneutralität genügen. Er stellt die Initiative der Bergsteigerdörfer vor und führt uns vor Augen, dass die Zeit der Schwabenkinder endgültig vorbei ist und dass das ehemals arme Vorarlberg mit innovativer Holzbauarchitektur einen Wirtschaftszweig hervorgebracht hat, der Regionalität und Nachhaltigkeit unabhängig vom Tourismus vereint. Er erläutert, welche Schritte von Gesellschaft, Politik und Tourismus nötig sind und welche Rolle Lobbyarbeit, Pressearbeit und lokale Anbieter spielen.

Der Abend bot Raum für Fragen und Austausch darüber, wie wir die Alpen schützen, den Tourismus verantwortungsvoll gestalten und unsere Bergwelt für kommende Generationen lebendig halten können. Georg Bayerle unterstreicht, dass die Anreise per Öffentlichen Verkehrsmitteln in die Berge nicht immer bequem ist – und erwähnt als Beispiel eine Fahrt mit Skiausrüstung in der Münchner U-Bahn –, doch es lohne sich, Bequemlichkeit zugunsten der Berge zurückzustellen; Verzicht könne nicht nur negativ, sondern auch befreiend sein.

Für uns war es ein spannender Abend, und wir hoffen, mit weiteren Vorträgen und unserer Arbeit dem Klima- und Umweltschutz zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen zu können.

 

Die Umweltgruppe des DAV Friedrichshafen

Aline Sommer