Person mit erhobenen Armen steht auf großem Felsen in bergiger Landschaft unter bewölktem Himmel | © Dav-Fn / R. Huber

Überschreitung von Piz Grialetsch und Scalettahorn

02.08.2026

Dem Wetterbericht geschuldet starteten wir bereits um 4:00 Uhr morgens zu fünft in Richtung Albula-Alpen, um zwei aussichtsreiche Dreitausender zu überschreiten. Unsere Gruppe bestand aus Hochtouren-Neulingen und erfahrenen Bergsteigern, was vom ersten Moment an gut harmonierte.

Nach der Fahrt ins Dischmatal machten wir uns von Dürrboden aus bei zunehmend freundlichen Bedingungen auf den Weg. Der Zustieg führte zunächst vorbei an der Grialetschhütte, hinter der wir über Moränen und Schutt zum weitgehend aperen Vadret da Grialetsch aufstiegen. Nach einer letzten kurzen Firnpassage erreichten wir die Fuorcla Vallorgia. Von dort gelangten wir in leichter Kraxelei auf das kleine Plateau südlich des Gipfels des Piz Grialetsch.
Der weitere Anstieg führte über den Südwestrücken und anschließend auf einem mit Bohrhaken versicherten Querband bis knapp unter den Gipfelaufbau. Nach einer kurzen Blockkletterei standen wir schließlich auf dem Gipfel des Piz Grialetsch. Die Gipfelrast fiel allerdings eher kurz aus, denn die Wetterentwicklung ließ vermuten, dass die bis dahin haltende Schönwetterlücke bald ein Ende finden würde.
Doch wir hatten Glück. Der Regen blieb zunächst aus, und so konnten wir unseren Abstieg zum Vadret Vallorgia fortsetzen. Nach der Querung des Gletschers folgte der Gegenanstieg zum Scalettahorn. Noch einmal hieß es, über Schutt und Blockwerk Höhenmeter zu sammeln, dann war auch der zweite Gipfel des Tages erreicht. Hier gönnten wir uns eine ausgiebige und wohlverdiente Mittagspause, sogar begleitet von Sonnenschein.
Der Abstieg zum Scalettapass verlief noch trocken und wer noch immer nicht ausgepowert war konnte sich an einem großen Boulderblock versuchen. Erst auf dem weiteren Weg hinunter nach Dürrboden holte uns der angekündigte Wetterumschwung schließlich ein. Nun konnten wir doch noch die Dichtheit unserer Regenbekleidung prüfen. So endete die Tour zwar mit einer nassen Schlussphase, insgesamt hatte die Schönwetterlücke aber fast den gesamten Tourentag für uns offengehalten.
Beeindruckend war die Einsamkeit dieser Runde: Zwischen der Grialetschhütte und dem Scalettapass begegneten wir über Stunden keinem einzigen anderen Bergsteiger. Die Berge, die großartige Landschaft und die herrliche Ruhe schienen an diesem Tag ganz uns allein zu gehören. Zwei Gipfel, abwechslungsreiches Gelände, einsame Wege und ein gutes Maß an alpiner Herausforderung machten diese Tour zu einem rundum gelungenen Erlebnis.